Dominikanische Republik: Hurrikan San Zenon – vor 85 Jahren

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Angesichts der langen Trockenperiode in der Dominikanischen Republik hörte man zahlreiche Stimmen die sich das Eintreffen von Hurrikan / Tropensturm Fred (löste sich auf) oder Hurrikan / Tropensturm Erika (zog über Haiti) wünschten. Offensichtlich haben viele Menschen noch nie einen heftigen Tropensturm oder gar Hurrikan erlebt, oder dessen verheerende Folgen schon wieder vergessen. Wie sonst kann man sich erklären dass Tropensturm (zeitweise Hurrikan) Erika so sehnsüchtig erwartet wurde, nach mehr als 27 Todesfällen auf der Insel Dominica?

Heute jährt sich das Eintreffen von Hurrikan San Zenon in Santo Domingo. 85 Jahre ist es her und es gibt kaum noch Jemanden der sich an diese Tragödie erinnern kann. Am 3. September 1930, Diktator Trujillo war gerade erst 2 Wochen im Amt, kam einer der verheerendsten Hurrikans in die Dominikanische Republik. Dass dabei Windstärken nicht immer von Bedeutung sind erkennt man daran dass Hurrikan David (31. August 1979) und Hurrikan George (28. September 1998) nach der Saffir Simpson Skala stärker waren – doch San Zenon war, gemessen an den Schäden, stärker.

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Der Hurrikan hinterließ mehr als 4.000 Todesopfer und über 20.000 Verletzte. Die Schäden wurden nie ermittelt, jedoch gab es unendlich viele beschädigte Häuser. Geschätzt wurdne die Schäden später auf bis zu 50 Millionen RD$ (damals stand der Kurs 1 RD$ = 1 USD). Natürlich, als damals der Hurrikan über Santo Domingo zog hatte er ein leichteres Spiel. Die meisten Hütten waren aus Holz, hatten ein Palm- oder Zinkdach. Damals reagierte die Bevölkerung panisch. Die ersten Böen hatten die Häuser zerstört, dann legte sich der Sturm. Man dachte wohl es ist vorbei, doch es war das Auge des Hurrikans, was gerade über Santo Domingo war und die Windstille zur Folge hatte. Dann begann der Sturm wieder, überraschend und heftig traf er die Menschen in den Straßen die schutzlos Wind und Wassermassen ausgesetzt waren.

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Damals, 1930, gab es weder ein informatives Internet noch einen meteorologischen Dienst. Niemand war vorbereitet, das erklärt die hohe Zahl der Opfer. Dank der damaligen Hilfen aus den USA, von Kuba, Puerto Rico und einigen europäischen Ländern konnte Trujillo die Stadt wieder aufbauen.

Heute, zumindest zum Zeitpunkt von Tropensturm Erika, zeigt sich ein ähnliches Bild. Zwar gibt es Wetterberichte und Sturmwarnungen, doch ist es wohl die Gelassenheit, Sorglosigkeit und Ahnungslosigkeit der Dominikaner die das Verhalten erklärt. Die Regierung hatte als Vorsichtsmaßnahme eine Schließung aller Geschäfte angeordnet. In Santo Domingo sah man jedoch Domino spielende Dominikaner am geliebten Eck ihres Colmados sitzen. Wir können nur raten jeden Sicherheitshinweis ernst zu nehmen. Oft gebraucht man das Wort „Naturschauspiel“. In diesem Fall kann man auf eine „Vorführung“ verzichten, denn es sind Naturgewalten – und Gewalt geht man aus dem Weg.

Aufnahme 3. September 1931 – ein Jahr danach: Hurrikan San Zenon

https://www.youtube.com/watch?v=XEwlyw4QrnA

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