
Wenn die Dominikanische Republik heute über ein wirtschaftliches Modell verfügt, das auf vier grundlegenden Sektoren basiert, so ist dies den Maßnahmen von Joaquín Balaguer in den 1970er Jahren zu verdanken. Diese Dekade brachte die entscheidenden Infrastrukturen und rechtlichen Grundlagen hervor, die bis heute nachwirken.
Die Geschichte des Landes kennt keine andere Dekade mit vergleichbarer Fülle an gesetzlichen Maßnahmen und großen Produktionsinfrastrukturen, die zwischen 1970 und 1980 in Betrieb genommen wurden.
Nur Ulises Heureaux („Lilís“) wird mit Balaguer verglichen, da er bereits zwischen 1882 und 1899 die ersten Straßen, die erste Eisenbahnlinie für Güter und Passagiere sowie die ersten Stromgeneratoren einführte.
Wichtige Meilensteine der 1970er Jahre
- 1971: Inbetriebnahme der Ferronickel-Mine Falconbridge Dominicana, damals die achtgrößte Produzentin weltweit.
- 1971 – 1974 Von der Vorbereitung fu4r den Bau der Seilbahn in Puerto Plata, bis zur Fertigstellung
- 1973: Start der Gold- und Silbermine Rosario Dominicana, fünftgrößte Tagebaumine der Welt.
- Alcoa Exploración Company: Konsolidierung als bedeutender Exporteur von Bauxit (Grundstoff für Aluminium).
- 1973: Gründung der staatlichen Refinería Dominicana de Petróleo, mit einer Kapazität von 30.000 Barrel pro Tag, zur Versorgung des Landes mit Treibstoffen.
- 1973: Einweihung der Presa de Tavera, die erste große Talsperre des Landes, Grundlage für weitere 34 Projekte zur Strom-, Trinkwasser- und Bewässerungsversorgung.
- La Romana: Eröffnung des ersten Freihandelszonen-Parks, ermöglicht durch das Gesetz 299 von 1968 zur Förderung der Industrie.
- 1973: Dekret 2125 erklärt die Küsten von Puerto Plata zur „Costa de Ámbar“ von hohem touristischem Interesse.
- Dekret 2126: Erklärung der Küstengebiete als öffentliches Interesse, wodurch der erste große Tourismus-Polo mit Hotels, Golfplatz und Gastronomie entstehen konnte.
Einordnung
Balaguer wird hier als Architekt einer wirtschaftlichen und infrastrukturellen Revolution dargestellt, die die Basis für die moderne Dominikanische Republik legte. Die 1970er Jahre gelten als eine Dekade, in der Industrie, Bergbau, Energieversorgung und Tourismus gleichzeitig vorangetrieben wurden – ein Fundament, das bis heute spürbar ist.
Balaguer und die Grundlagen des modernen Entwicklungsmodells
Bereits 1971 hatten US-Investoren unter Führung von Theodore W. Kheel, gemeinsam mit dem jungen Unternehmer Frank Rainieri, den Punta Cana Club mit nur 20 Zimmern eröffnet. Dieses Projekt gilt als Pionier des heutigen großen Tourismuskomplexes von Punta Cana, der durch die Eröffnung des privaten Flughafens im Jahr 1984 weiter gefestigt wurde.
Die Autopista Duarte, ursprünglich 1922 gebaut, wurde in den 1970er Jahren überarbeitet, um den Verkehr zu erleichtern. Ihre vollständige Modernisierung und Erweiterung auf vier Fahrspuren begann Balaguer später, 1990.
In der Hauptstadt Santo Domingo gab es bis dahin nur die Puente Duarte (1955), die die Verbindung zur dynamischen Ostregion des Landes herstellte. Balaguer ließ zwei weitere Brücken bauen: die Puente Mella (1972) und die Puente Sánchez (1974). Beide entlasteten die Hauptverbindung erheblich.
Weitere zentrale Bauwerke dieser Dekade:
- 1971: Einweihung der wichtigen Avenida 27 de Febrero
- 1975: Bau des Regierungsgebäudes „El Huacal“
- 1978: Fertigstellung des bis heute markanten Gebäudes der Banco Central
Auch die ersten thermischen Dampfkraftwerke in Haina wurden errichtet, während das benachbarte Itabo für die späteren Kohlekraftwerke der 1980er Jahre reserviert wurde.
Diese Projekte lösten einen immobilien- und städtebaulichen Boom in Santo Domingo aus, getragen von öffentlichen und privaten Investitionen.
Die Vielzahl an Infrastruktur- und Straßenbauprojekten im ganzen Land macht deutlich, wie außergewöhnlich die 1970er Jahre für die Entwicklung der Dominikanischen Republik waren. Als Balaguer 1986 zurückkehrte, setzte er den Ausbau bis 1996 fort.
Bedeutung für das heutige Modell
Das Wichtigste an dieser Dekade ist, dass sie den Ursprung des heutigen „Modells des virtuosen Entwicklungswegs“ darstellt. Die 1970er Jahre legten die Grundlagen dafür, dass die Dominikanische Republik heute als eine der dynamischsten Nationen in Mittelamerika und der Karibik gilt.
Das Modell des virtuosen Entwicklungswegs
Das Bedeutendste an der Dekade der 1970er Jahre ist, dass sie den Ursprung des heutigen Entwicklungsmodells der Dominikanischen Republik darstellt. Dieses Modell hat die Grundlagen geschaffen, um das Land zur dynamischsten Nation Mittelamerikas und der Karibik zu machen.
Internationale Organisationen und die aktuellen nationalen Behörden prognostizieren, dass die Dominikanische Republik bis Mitte der 2030er Jahre den Status des „Unterentwickelten“ endgültig hinter sich lassen wird.
Die vier großen Motoren des Modells
- Landwirtschaft und Agrarindustrie
- Produktion und Freihandelszonen
- Metallischer und nicht-metallischer Bergbau
- Tourismus und Dienstleistungen
Diese vier Säulen bilden die Basis für das Wachstum, das sich seit den 1970er Jahren entfaltet hat.
Motivation Balaguers
Balaguer entschied sich für dieses Modell aufgrund seiner Erfahrung und seines tiefen Wissens über die Potenziale und Besonderheiten der Dominikanischen Republik. Er sah die „Halbinsel“ als Standort mit ähnlichen Möglichkeiten wie große Bevölkerungszentren auf dem Festland.
Wirtschaftliche Entwicklung
Das Modell führte zu einem meteoritischen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP):
- 1970: Nominales BIP von 1,486 Milliarden US-Dollar, ein Wachstum von 18,2 % gegenüber 1969.
- 2026: Erwartetes nominales BIP von über 130 Milliarden US-Dollar.
- Präsident Luis Abinader hat angekündigt, dass sich das BIP bis 2035 verdoppeln könnte – eine Prognose, die von internationalen Finanzkreisen nicht als Illusion betrachtet wird.
(Soweit der historische Rückblick von Pedro Caba.)
Hier eine grafische Zusammenfassung von der Redaktion (Rechte bei DRT):

Ebenfalls unter die Balaguer Zeit fällt das Bauwerk Faro de Colon. Ein imposantes und bedeutendes Bauwerk was auch Kontroversen erzeugte. Um mit den damaligen Halogenscheinwerfen das grosse Kreuz in den Himmel zu produzieren musste in vielen Sektoren der Hauptstadt der Strom abgestellt werden.

🌍 Bedeutung und Funktion
- Der Faro a Colón dient als Mausoleum und Museum, in dem sich laut offizieller Darstellung die vermutlichen sterblichen Überreste von Christoph Kolumbus befinden.
- Das Gebäude ist zugleich ein Lichtdenkmal: Bei besonderen Anlässen projizieren 157 Scheinwerfer ein riesiges Kreuz aus Licht über den Himmel von Santo Domingo.
- Es symbolisiert die Verbindung zwischen Europa und Amerika und steht für die historische und kulturelle Identität der Dominikanischen Republik.
🏛️ Architektur
- Entwurf: britischer Architekt J. L. Gleave (1929), realisiert Jahrzehnte später.
- Stil: Monumentalismus mit neoklassischen und futuristischen Elementen.
- Fläche: rund 70 000 m², mit Ausstellungsräumen, Kapelle und Gedenkhalle.
Kurz gesagt:
Der Faro a Colón wurde zwischen 1986 und 1992 erbaut und am 6. Oktober 1992 eingeweiht – ein Symbol nationaler Identität und eines der größten Bauprojekte der Balaguer‑Ära.
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