
Santo Domingo. Die heftigen Regenfälle der vergangenen Tage haben die Trinkwasserversorgung in weiten Teilen der Dominikanischen Republik massiv beeinträchtigt. Nach Angaben des Katastrophenschutzzentrums COE sind derzeit 67 Aquädukte außer Betrieb, zwei weitere arbeiten nur eingeschränkt. Insgesamt sind rund 948.600 Nutzer von Ausfällen betroffen.
Die Schäden gehen auf eine Wetterstörung (Vaguada) zurück, die zahlreiche Provinzen des Landes mit starken Niederschlägen überzogen hat. Neben den Problemen bei der Wasserversorgung wurden bislang 2.670 Betroffene, 534 beschädigte oder überflutete Häuser sowie zahlreiche Schäden an Straßen und anderer Infrastruktur registriert.
20 Provinzen unter Wetterwarnung
Angesichts der anhaltenden Wetterlage stehen derzeit 20 Provinzen unter Warnstatus. Die Behörden haben das Baden in Flüssen, Bächen und natürlichen Wasserbecken in den betroffenen Gebieten untersagt.
Besonders betroffen sind unter anderem die Provinzen Azua, San José de Ocoa, Monte Plata und San Cristóbal. Dort führten Überschwemmungen, Erdrutsche und angeschwollene Flüsse zu erheblichen Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens.
Nicht nur beschädigte Leitungen: Schlamm wird zum Problem
Nach Recherchen zeigt sich erneut ein bekanntes Problem der dominikanischen Wasserversorgung: Viele Wasserwerke müssen ihren Betrieb nicht nur wegen direkter Schäden einstellen, sondern auch wegen der extremen Trübung der Flüsse. Starke Regenfälle spülen große Mengen Schlamm, Erdreich und Sedimente in die Wasserläufe. Dadurch stoßen die Aufbereitungsanlagen an ihre Grenzen. Die Betreiber sind gezwungen, die Produktion zu drosseln oder Anlagen vorübergehend abzuschalten, um die Wasserqualität sicherzustellen.
Bereits im April hatte die Wassergesellschaft CORAASAN erklärt, dass die hohe Sedimentbelastung des Río Yaque del Norte die Trinkwasseraufbereitung erheblich verlangsame. Ursache sei der massive Eintrag von Schlamm und Schwebstoffen nach Starkregenereignissen.
Kommentar: Ein strukturelles Problem wird sichtbar
Die aktuellen Ausfälle werfen erneut Fragen zur Widerstandsfähigkeit der dominikanischen Wasserinfrastruktur auf. Natürlich lassen sich extreme Wetterereignisse nicht verhindern. Doch dass nach starken Regenfällen gleich Dutzende Aquädukte ausfallen und nahezu eine Million Menschen ohne verlässliche Wasserversorgung dastehen, deutet auf tiefere strukturelle Schwächen hin.
Besonders problematisch ist die hohe Abhängigkeit vieler Anlagen von Flüssen, die bei Starkregen enorme Mengen Schlamm und Sedimente transportieren. Moderne Aufbereitungsanlagen verfügen über leistungsfähige Vorfilter- und Sedimentationssysteme, die solche Belastungen zumindest teilweise kompensieren können. In der Dominikanischen Republik zeigt sich jedoch seit Jahren, dass zahlreiche Wasserwerke bereits bei erhöhter Trübung ihre Kapazitätsgrenzen erreichen.
Hinzu kommen Erosion, Abholzung und unzureichend geschützte Wassereinzugsgebiete. Solange Flüsse bei jedem größeren Regenereignis zu Schlammströmen werden, bleibt die Trinkwasserversorgung anfällig. Die aktuellen Ereignisse sollten daher nicht nur als Folge einer Wetterstörung betrachtet werden, sondern als weiterer Hinweis auf den dringenden Modernisierungsbedarf im Wassersektor. (DomRepTotal – almomento)