
(Ki Version, Ohne Wasser keine Touristen, kein Tourismus, Buschland wie es einmal war)
Punta Cana unter Druck: Wasserreserven reichen nicht mehr aus
Santo Domingo.- Die Wasserversorgung im Osten der Dominikanischen Republik entwickelt sich zunehmend zu einer der größten Herausforderungen für die Region. Nach Einschätzung des renommierten Geologen Osiris de León müssen dringend Maßnahmen ergriffen werden, um die langfristige Versorgung von Higüey, Punta Cana, Bávaro, Verón und Cap Cana sicherzustellen.
Hintergrund sind die immer längeren und intensiveren Trockenperioden infolge des Klimawandels. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf aufgrund des ungebremsten Wachstums des Tourismussektors kontinuierlich an. Die Region zählt mittlerweile zu den wichtigsten Tourismuszentren der Karibik und empfängt jährlich Millionen von Besuchern.
50.000 Hotelzimmer verbrauchen täglich enorme Wassermengen
Nach Angaben von de León verbraucht jedes Hotelzimmer in der Ostregion durchschnittlich rund einen Kubikmeter Wasser pro Tag. Bei nahezu 50.000 Hotelzimmern summiert sich dies auf etwa 50.000 Kubikmeter täglich.
Dieses Wasser wird überwiegend aus Brunnen gefördert. Die intensive Entnahme habe bereits zu einer teilweisen Versalzung und Schädigung des regionalen Küstenaquifers geführt. Der Experte warnt, dass die Korallenkalk-Aquifere der Region ihre Belastungsgrenze erreicht hätten und eine weitere Übernutzung nicht mehr verkraften könnten.
Chavón- und Maimón-Staudamm als langfristige Lösung
De León spricht sich deshalb für den raschen Bau von zwei Großprojekten aus: einem Staudamm am Río Chavón sowie einem weiteren am Río Maimón.
Der Chavón-Staudamm würde die Wasserversorgung von Higüey, La Romana, Bayahibe und Yuma langfristig absichern. Der geplante Maimón-Staudamm hätte nach Einschätzung des Geologen sogar eine doppelte Funktion. Zum einen könnte er wiederkehrende Überschwemmungen in der Region La Vacama verhindern. Zum anderen würde er zusätzliche Wasserressourcen für Higüey, Bávaro, Uvero Alto und die umliegenden Tourismusgebiete bereitstellen.
Nach Ansicht des Experten könnten beide Projekte die Wasserversorgung der Region für die kommenden 50 Jahre sichern.
Forderung nach einem Verbot neuer Brunnen
Der Hydrogeologe fordert zudem ein Verbot weiterer Grundwasserbrunnen in der Region. Gleichzeitig müssten die Behörden von La Altagracia gemeinsam mit der Wasserbehörde Inapa und dem Nationalen Institut für Wasserressourcen (INDRHI) die Planungen und Finanzierungsmodelle für beide Staudämme beschleunigen.
Die Investitionen könnten laut de León teilweise über die Einnahmen aus den Wasserdienstleistungen für die Hotelbranche refinanziert werden.
Kommentar: Tourismus muss Teil der Lösung werden
Die Diskussion über neue Staudämme darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch der Tourismus selbst einen erheblichen Anteil am steigenden Wasserverbrauch hat. Golfplätze mit ganzjährig grünen Rasenflächen, große Hotelpools, aufwendig bewässerte tropische Gartenanlagen und der vielfach höhere Wasserverbrauch von Urlaubern im Vergleich zur lokalen Bevölkerung belasten die ohnehin knappen Ressourcen zusätzlich.
Während viele Bewohner der Region in Trockenzeiten Einschränkungen hinnehmen müssen, verbrauchen luxuriöse Ferienanlagen täglich enorme Mengen Wasser. Mehrfaches Duschen am Tag, regelmäßiger Handtuchwechsel und ein hoher Verbrauch in Restaurants und Freizeiteinrichtungen erhöhen den Druck auf die Grundwasserreserven weiter.
Langfristig wird die Lösung daher nicht allein im Bau neuer Infrastruktur liegen. Ebenso wichtig sind moderne Wasserspartechnologien, die Wiederverwendung aufbereiteten Wassers, strengere Vorgaben für Hotelanlagen und ein bewussterer Umgang mit Wasser durch Touristen. Nur wenn Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen, kann die Dominikanische Republik ihr wichtigstes Tourismusgebiet dauerhaft sichern.
Die aktuelle Debatte wirft auch eine unbequeme Frage auf: Wie nachhaltig ist das Tourismusmodell der Ostregion überhaupt? Während die Behörden milliardenschwere Infrastrukturprojekte planen, um den steigenden Wasserbedarf zu decken, bleibt die Rolle des Tourismussektors oft ausgeklammert. Golfplätze, künstlich bewässerte Gartenanlagen, luxuriöse Pools und ein Wasserverbrauch pro Gast, der den eines Einwohners um ein Vielfaches übersteigen kann, tragen erheblich zur Belastung der Wasserreserven bei. Kritiker fordern deshalb, dass nicht nur neue Wasserquellen erschlossen, sondern auch verbindliche Sparmaßnahmen für Hotels und Resorts eingeführt werden.
Meerwasserentsalzung könnte Teil der Lösung sein
Neben dem Bau der Staudämme am Chavón und Maimón sollte die Dominikanische Republik auch den Einsatz moderner Meerwasser-Entsalzungsanlagen prüfen. Länder wie Israel, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Saudi-Arabien sichern heute bereits einen beträchtlichen Teil ihrer Trinkwasserversorgung durch die Aufbereitung von Meerwasser. Die Technologie gilt als zuverlässig und unabhängig von Niederschlägen oder Dürreperioden.
Vorteile von Entsalzungsanlagen
✅ Praktisch unbegrenzte Wasserquelle durch den Atlantik und das Karibische Meer. ✅ Unabhängigkeit von Trockenzeiten und Klimawandel. Die Wasserversorgung bleibt auch bei langanhaltenden Dürren stabil.
✅ Entlastung der übernutzten Grundwasservorkommen und Aquifere im Osten des Landes.
✅ Besonders geeignet für Tourismusregionen direkt an der Küste wie Punta Cana, Bávaro oder Cap Cana. Dies reduziert lange Transportwege für Wasser.
Nachteile von Entsalzungsanlagen
❌ Hohe Investitions- und Betriebskosten. Die Aufbereitung von Meerwasser benötigt große technische Anlagen und viel Energie.
❌ Hoher Stromverbrauch. Ohne erneuerbare Energien steigen die CO₂-Emissionen erheblich. ❌ Umweltprobleme durch hochkonzentrierte Salzlauge (Brine), die nach der Entsalzung wieder ins Meer eingeleitet werden muss. Diese kann Meeresökosysteme belasten.
❌ Wasserentnahme und Einleitung können Fische, Plankton und andere Meeresorganismen beeinträchtigen.
Die eigentliche Frage lautet nicht, ob die Dominikanische Republik neue Wasserquellen erschließen muss, sondern wie diese finanziert werden sollen. Es erscheint durchaus vertretbar, dass insbesondere die Tourismusindustrie einen größeren Beitrag leistet. Schließlich gehören Golfplätze, riesige Poollandschaften, künstlich angelegte Tropengärten und der überdurchschnittliche Wasserverbrauch von Millionen Urlaubern zu den Hauptursachen des steigenden Bedarfs. Wer vom Tourismus profitiert, sollte deshalb auch stärker an den Kosten für eine nachhaltige Wasserversorgung beteiligt werden. Staudämme, Wasserrecycling und moderne Entsalzungsanlagen könnten gemeinsam die Grundlage schaffen, um die Region Punta Cana langfristig vor einer Wasserkrise zu bewahren.
