
77 Frauen in zehn Monaten ermordet
Dominikanische Republik: Die Gewalt gegen Frauen fordert immer mehr Opfer. Mindestens 110 Kinder und Jugendliche haben in den ersten zehn Monaten des Jahres 2026 ihre Mütter durch Femizide verloren. Das geht aus einer Statistik der Stiftung Fundación Vida Sin Violencia hervor.
Santo Domingo, 5. November 2026 – Mindestens 110 dominikanische Kinder und Jugendliche sind zwischen Januar und Oktober 2026 durch die Ermordung ihrer Mütter zu Halbwaisen geworden. Die Frauen wurden von ihren aktuellen oder ehemaligen Lebenspartnern getötet. Unter den betroffenen Kindern befinden sich bereits Zweijährige sowie Jugendliche im Alter von bis zu 17 Jahren.
Nach Angaben der Stiftung wurden in diesem Zeitraum insgesamt 77 Frauen Opfer von Femiziden. Besonders alarmierend: Unter den mutmaßlichen Tätern befanden sich vier Angehörige der Policía Nacional sowie vier Mitglieder der Streitkräfte.
In vier Fällen hatten die später ermordeten Frauen bereits gerichtliche Annäherungsverbote gegen ihre mutmaßlichen Täter erwirkt. Dennoch konnten die Schutzmaßnahmen ihre Ermordung nicht verhindern.
Provinz Santo Domingo verzeichnet die meisten Femizide
Die meisten Fälle wurden in der Provinz Santo Domingo registriert. Dort kamen 24 Frauen gewaltsam ums Leben. Es folgen der Distrito Nacional mit sieben und Higüey mit sechs registrierten Fällen.
Zwei weitere mutmaßliche Femizide innerhalb von weniger als 48 Stunden haben die Statistik in dieser Woche erneut ansteigen lassen und die dramatischen Folgen häuslicher Gewalt in der Dominikanischen Republik in den Mittelpunkt gerückt.
Zwei neue Fälle innerhalb von 48 Stunden
In Las Yayas de Viajama, Provinz Azua, erschoss ein Mann seine ehemalige Lebensgefährtin Pamela Alcántara. Anschließend nahm er sich selbst das Leben, wie aus den Berichten zu dem Fall hervorgeht.
Ein weiterer tödlicher Vorfall ereignete sich in der Gemeinde Sabaneta in der Provinz Santiago Rodríguez. Dort wurde Albenis de Jesús Hernández von ihrem ehemaligen Partner erschossen. Auch der mutmaßliche Täter wurde später tot aufgefunden.
Das ehemalige Paar hatte drei gemeinsame Kinder im Alter von zwölf, acht und fünf Jahren. Sie verloren damit beide Elternteile.
Ein Angehöriger der getöteten Frau berichtete gegenüber der Presse, dass das Paar bereits seit etwa fünf Jahren getrennt gelebt habe. Während seines Aufenthalts in den USA soll der Mann seine ehemalige Partnerin telefonisch bedroht und angekündigt haben, in die Dominikanische Republik zurückzukehren, um sie zu töten.
Die Frau habe offenbar nicht damit gerechnet, dass der Mann seine Drohungen tatsächlich wahrmachen würde – insbesondere, weil er der Vater ihrer Kinder war.
Warnsignale und Schutzmaßnahmen reichen offenbar nicht aus
Der Fall verdeutlicht erneut, wie ernst wiederholte Drohungen und Einschüchterungen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt genommen werden müssen. Selbst bestehende Schutzanordnungen bieten offenbar nicht in jedem Fall ausreichende Sicherheit für gefährdete Frauen.
Die Zahlen der Fundación Vida Sin Violencia zeigen zudem, dass Femizide weit über die unmittelbaren Opfer hinausreichen. Zurück bleiben Kinder, die ihre Mütter verloren haben, teilweise sogar beide Elternteile. Für zahlreiche Familien beginnt damit ein Leben mit traumatischen Verlusten und erheblichen sozialen und emotionalen Belastungen.
Die Femizide in der Dominikanischen Republik sind damit nicht nur ein Problem der Gewalt gegen Frauen. Sie hinterlassen eine ganze Generation von Kindern, die ohne ihre Mütter aufwachsen müssen. (almomento-DRT)