Dominikanische Republik: Rekordsaison von Sargazo weckt Sorgen um Gesundheit

Santo Domingo, – Eine außergewöhnlich starke Saison von Sargazo Sargassum / Braunalgen) im Karibikraum hat die Diskussion über mögliche Gesundheitsrisiken neu entfacht.

  • Neue Forschung: Wissenschaftler der UNAM (Mexiko) untersuchen derzeit Arbeiter in Quintana Roo, die täglich große Mengen Sargazo von den Stränden entfernen. Ziel ist es, die Auswirkungen einer längeren Exposition gegenüber den bei der Zersetzung freigesetzten Gasen – insbesondere Schwefelwasserstoff und Ammoniak – zu bewerten.
  • Symptome bei Arbeitern: Kopfschmerzen, Augenreizungen und Atembeschwerden wurden bereits gemeldet.
  • Internationale Daten: Frühere Studien, etwa in Martinique 2018, zeigten bei Betroffenen neurologische Beschwerden (80 %), Verdauungsprobleme (77 %), Atemwegsprobleme (69 %) und Augenreizungen (64 %).
  • USF‑Bericht: Das Optical Oceanography Lab der Universität Südflorida meldete Ende Mai Rekordmengen für diesen Monat. Forscher erwarten, dass 2026 ein Rekordjahr für Sargazo im gesamten tropischen Atlantik werden könnte.

Einordnung

Bisher lag der Fokus meist auf den Folgen für Tourismus, Fischerei und Ökosysteme. Nun rückt zunehmend die Gesundheit der Menschen in den Vordergrund, die in unmittelbarer Nähe zu großen Ansammlungen von Sargazo leben oder arbeiten.

Rekordsaison von Sargazo – Gesundheitsrisiken im Fokus

Unter den häufigsten Beschwerden bei Betroffenen wurden Kopfschmerzen, Schwindel, Bauchschmerzen, Übelkeit, Husten, Atemnot, Bindehautentzündung und Reizungen der Atemwege festgestellt.

Die Autoren der Studie kamen zu dem Schluss, dass das klinische Bild mit einer wiederholten Exposition gegenüber niedrigen Konzentrationen von Schwefelwasserstoff (H₂S) aus dem zersetzenden Sargazo übereinstimmt. In einigen betroffenen Gemeinden könnten die Menschen sogar Konzentrationen von über fünf ppm für bis zu 50 Tage im Jahr ausgesetzt gewesen sein.

Besonders bei Personen, die länger als einen Monat exponiert waren, traten häufiger Augenreizungen, Bindehautentzündungen, Rhinitis und andere Beschwerden der oberen Atemwege auf.

Was die Wissenschaftler beunruhigt

Während die unmittelbaren Effekte von Schwefelwasserstoff bekannt sind, richten sich die aktuellen Fragen auf die Folgen einer wiederholten Exposition über Monate oder Jahre.

  • Das in Clinical Toxicology veröffentlichte Martinique‑Studie (2018) zeigte, dass Menschen mit wiederholtem Kontakt zu Sargazo Symptome entwickelten, die neurologische, Verdauungs- und Atemprobleme einschlossen.
  • Die französische Gesundheitsbehörde ANSES warnte vor möglichen neurologischen und neuroverhaltensbezogenen Effekten, etwa Störungen von Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Gleichgewicht.
  • Die US‑Umweltschutzbehörde (EPA) weist ebenfalls auf mögliche Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Verwirrung und andere neurologische Symptome bei längerer Belastung hin.

Die Sorge der Forscher geht daher über kurzfristige Reizungen hinaus: Es gilt zu klären, ob Menschen, die jahrelang in der Nähe großer Sargazo‑Ansammlungen leben oder arbeiten, chronische Atemwegs- oder neurologische Erkrankungen entwickeln könnten.

Symptome, die ernst genommen werden sollten

Zu den Warnsignalen zählen:

  • anhaltende Kopfschmerzen
  • Augenreizungen, Brennen, Tränenfluss
  • Reizung von Nase und Hals, häufiger Husten
  • Schwindel, Übelkeit, Atemnot

Auch Müdigkeit, allgemeines Unwohlsein, Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Erbrechen sowie die Verschlimmerung bestehender Krankheiten wie Asthma wurden dokumentiert. In schweren Fällen kam es zu Ohnmacht, Bewusstseinsverlust, Asthmaanfällen und anderen Komplikationen, die sofortige medizinische Hilfe erfordern.

Empfehlungen der Gesundheitsbehörden

  • Abstand halten von großen Sargazo‑Ansammlungen, besonders bei starkem Geruch oder Atembeschwerden.
  • Aufenthalte in der Nähe vermeiden, vor allem während der heißesten Tageszeiten.
  • Risikogruppen wie Asthmatiker, Menschen mit Herz‑ oder Lungenerkrankungen, Kinder, ältere Personen und Schwangere sollten besonders vorsichtig sein.
  • Bei starker Atemnot, Schwindel, Desorientierung oder Bewusstseinsverlust sofort medizinische Hilfe suchen.

Ein Thema von wachsender Bedeutung

Da Sargazo im Karibikraum immer häufiger auftritt, richtet sich die Forschung zunehmend auf die Gesundheitsfolgen für Küstengemeinden und Strandarbeiter.

In der Dominikanischen Republik warnte auch das Umweltministerium, dass zersetzender Sargazo Gase freisetzen kann, die mit Atemwegsreizungen, Kopfschmerzen und Hautproblemen verbunden sind.

Mit einer Saison, die 2026 Rekordwerte erreichen könnte, stellen sich Wissenschaftler nun die zentrale Frage: Welche langfristigen Folgen hat das tägliche Einatmen dieser Gase – Jahr für Jahr, Saison für Saison? (Domreptotal)

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