
Santo Domingo, – Knapp ein Jahr nach dem Einsturz des Daches der Diskothek Jet Set, bei dem am 8. April 2025 mehr als 230 Menschen ums Leben kamen und Hunderte verletzt wurden, soll an diesem Montag die vorgerichtliche Anhörung im Strafverfahren eröffnet werden. Ziel ist es, Verantwortlichkeiten für die Katastrophe zu klären.
Die Diskothek Jet Set galt über Jahrzehnte als einer der bekanntesten Nachtclubs der Dominikanischen Republik und befand sich an der Avenida Independencia in Santo Domingo.
Vorwurf der Staatsanwaltschaft
Das Ministerio Público wirft den Geschwistern Antonio und Maribel Espaillat schwere Fahrlässigkeit vor. Sie sollen notwendige strukturelle Reparaturen am Gebäude unterlassen haben, was zum Einsturz des Daches führte. Der Antrag auf Zwangsmaßnahmen wurde am 14. Juni 2025 eingereicht.
Das Dossier umfasst 128 Seiten und wurde von den Staatsanwälten Héctor García, Miguel Collado und Emmanuel Ramírez sowie den Ermittlern Vladimir Viloria und José Martínez erstellt. Insgesamt sind 290 Personen als Kläger oder Zeugen aufgeführt. Die Staatsanwaltschaft beantragte, den Fall als „komplex“ einzustufen.
Zivilforderungen
Am 15. Januar erklärte der Anwalt Jean Cristofer Pérez, Vertreter zweier Opferfamilien, dass „es Gerechtigkeit geben wird, aber nicht so, wie die Menschen erwarten“. Er rechnet nicht mit Haftstrafen, fordert jedoch eine Entschädigung von 100 Millionen Pesos für seine Mandantinnen.
Strafrechtliche Dimension
Die Generalstaatsanwältin Yeni Berenice Reynoso betonte am 24. Januar, dass die strafrechtliche Verfolgung weiterläuft und durch zivilrechtliche Vereinbarungen nicht aufgehoben werden kann. Ein Richter wies am 30. Januar den Antrag der Geschwister Espaillat zurück, ein unabhängiges Gutachten an den Ruinen vorzunehmen.
Am 4. Februar bekräftigten die Angeklagten ihre Ablehnung einer sofortigen Abrissmaßnahme. Ein technischer Bericht der Staatsanwaltschaft hatte den Abriss der Ruinen empfohlen, doch die Geschwister argumentierten, sie benötigten Zugang zur Struktur für eigene Analysen.
Damit beginnt nun die entscheidende Phase eines der größten Strafverfahren der jüngeren dominikanischen Geschichte – mit der Frage, ob die Verantwortlichen für die Jet-Set-Tragödie strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden. (DomRepTotal, Foto> Acento)