
SANTO DOMINGO. – Amnesty International (AI) hat die Regierung der Dominikanischen Republik aufgefordert, „den Zugang zur Gesundheitsversorgung sofort vom Migrationskontrollsystem zu trennen“. Die Organisation kritisiert ein Protokoll, das die Inanspruchnahme medizinischer Dienste durch undokumentierte Haitianer mit anschließender Abschiebung verknüpft.
AI betonte, dass das Land, das am Montag den Vorsitz der Weltgesundheitsversammlung übernommen hat, sicherstellen müsse, „dass niemand nach medizinischer Behandlung Opfer von rassistischer Diskriminierung, Festnahme oder Abschiebung wird“.
Die NGO bezeichnete es als „schwerwiegend widersprüchlich“, dass die Dominikanische Republik die Weltgesundheitsversammlung präsidiere, während gleichzeitig Praktiken fortgeführt würden, die Haitianer und Dominikaner haitianischer Abstammung davon abhalten könnten, Krankenhäuser aufzusuchen – aus Angst vor Abschiebung.
Das Protokoll, das im April 2025 eingeführt wurde, sieht vor, dass Patienten eine gültige Identifikation, Arbeitsbescheinigung und Wohnsitznachweis vorlegen sowie die Kosten der Behandlung tragen müssen. Andernfalls werden sie medizinisch versorgt und nach Genesung abgeschoben.
Im Jahr 2025 wurden laut offiziellen Angaben 370.000 Haitianer abgeschoben – ein Anstieg von 37,4 % gegenüber 2024.
🔎 Kritischer Blick
- Amnesty International argumentiert aus menschenrechtlicher Sicht: Gesundheit sei ein universelles Recht, das nicht durch Migrationsstatus eingeschränkt werden dürfe.
- Die dominikanischen Behörden hingegen betonen die staatliche Souveränität und die Pflicht, irreguläre Migration zu kontrollieren. Wer ohne Dokumente einreist – selbst über sogenannte „Schwangeren-Transporte“ – kann nicht erwarten, dass der Aufenthalt nach einer medizinischen Behandlung legalisiert wird.
- Diskriminierung liegt rechtlich nicht vor, wenn die Regeln für alle gleichermaßen gelten und nicht nach Hautfarbe oder Herkunft differenzieren, sondern nach Rechtsstatus.
- Die Spannung besteht darin, dass internationale Organisationen universelle Rechte betonen, während nationale Behörden auf die Durchsetzung von Gesetzen und die Belastung des Gesundheitssystems verweisen.
- Fakt ist, dass die Dominikanische Republik legalen Migranten eine kostenlose Krankenversicherung anbietet. Von Diskriminierung kann man also nicht reden. (EFE/DRT)