
Dominikanischer Präsident sieht die Wirtschaft des Landes längst nicht mehr nur vom Tourismus abhängig. Technologie, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und neue strategische Branchen sollen künftig stärker zum Wirtschaftswachstum beitragen. Auch das Problem der Sargassum-Algen entwickelt sich zunehmend zu einer wirtschaftlichen Herausforderung.
Madrid. Die Wirtschaft der Dominikanischen Republik ist deutlich breiter aufgestellt als vielfach angenommen. Präsident Luis Abinader betonte am Mittwoch beim XVI. Iberoamerikanischen Unternehmertreffen in Madrid, dass das Land verstärkt Investitionen mit höherer Wertschöpfung anstrebe und sich zunehmend als Technologie- und Digitalstandort positionieren wolle.
„Unsere Wirtschaft ist so vielfältig, dass allein der Baseball zwischen 500 und 600 Millionen US-Dollar ausmacht“, erklärte Abinader während einer Diskussionsrunde mit dem spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez, dem portugiesischen Premierminister Luís Montenegro sowie den Präsidenten von Costa Rica, Laura Fernández, und Bolivien, Rodrigo Paz.
Das Unternehmertreffen fand im Vorfeld des XXX. Iberoamerikanischen Gipfels statt.
Dominikanische Republik erwartet Wirtschaftswachstum von mehr als 4,5 Prozent
Abinader prognostizierte für die Dominikanische Republik im laufenden Jahr ein Wirtschaftswachstum von mehr als 4,5 Prozent. Damit würde das Land zu den wachstumsstärksten Volkswirtschaften Lateinamerikas gehören.
Als wesentliche Gründe nannte der Staatspräsident die politische Stabilität und die positive wirtschaftliche Entwicklung des Landes.
Der Tourismus bleibe zwar ein zentraler Wirtschaftszweig, auf den nach seinen Angaben zwischen 60 und 65 Prozent der spanischen Investitionen in der Dominikanischen Republik entfielen. Gleichzeitig müsse das Land jedoch seine wirtschaftlichen Möglichkeiten erweitern und neue Investitionsbereiche erschließen.
Google-Investition soll die Dominikanische Republik als Technologiezentrum stärken
Als Beispiel für die angestrebte wirtschaftliche Diversifizierung verwies Abinader auf die Investitionen von Google. Diese beliefen sich nach seinen Angaben auf mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar.
Ziel sei es, die Dominikanische Republik als digitalen Standort und technologischen Hub zu etablieren. Besonders günstige Voraussetzungen sehe man für die Entwicklung und den Betrieb von Rechenzentren.
Darüber hinaus sprach sich Abinader für eine intensivere Zusammenarbeit der iberoamerikanischen Staaten bei strategischen Zukunftstechnologien aus. Dazu zählte er insbesondere künstliche Intelligenz (KI) und Drohnentechnologie.
Die regionale Kooperation könne dazu beitragen, neue wirtschaftliche Chancen zu erschließen und die Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Länder zu stärken.
Sargassum-Algen werden zunehmend zum wirtschaftlichen Problem
Neben den Investitionsperspektiven sprach der dominikanische Präsident auch ein Problem an, das die gesamte Karibik zunehmend belastet: die massive Ausbreitung von Sargassum-Algen.
Abinader erklärte, dass die dominikanischen Strände im vergangenen Jahr von einer bislang beispiellosen Menge dieser Braunalgen betroffen gewesen seien. Um langfristige Lösungen zu finden, müsse die wissenschaftliche Forschung intensiviert und der Wissensaustausch zwischen den betroffenen Ländern verbessert werden.
Dabei gehe es längst nicht mehr ausschließlich um die Auswirkungen auf den Tourismus. Die Sargassum-Problematik betreffe inzwischen auch andere Wirtschaftszweige, darunter die Energieversorgung.
Nach Angaben des Präsidenten mussten bereits Kraftwerke ihren Betrieb zeitweise einstellen, weil die großen Mengen an Sargassum die Wasseraufnahme für die Stromproduktion beeinträchtigten.
Abinader sieht deshalb einen gemeinsamen Handlungsbedarf der Karibikstaaten. Forschung, technologische Lösungen und eine engere regionale Zusammenarbeit seien notwendig, um die wirtschaftlichen und ökologischen Folgen einzudämmen.
Mit seiner Teilnahme am XVI. Iberoamerikanischen Unternehmertreffen unterstrich der Präsident die Bedeutung internationaler Investitionen, wirtschaftlicher Diversifizierung und regionaler Integration für die zukünftige Entwicklung der Dominikanischen Republik.