
Ein groß angelegter wissenschaftlicher Überblick hat untersucht, warum manche Einwanderer in den Aufnahmeländern besser akzeptiert werden als andere. Die Ergebnisse zeigen, dass bestimmte Eigenschaften die Chancen auf gesellschaftliche Aufnahme deutlich erhöhen.
Das Metaanalyse‑Projekt, veröffentlicht in Science Advances und geleitet von Marco Aviña (Harvard), wertete 100 Studien aus 34 Artikeln mit Daten von über 142.000 Personen aus 36 Ländern aus. Es zeigt, dass junge, hochqualifizierte und beschäftigte Migranten deutlich bevorzugt werden. Wer diese Merkmale erfüllt, hat rund zehn Prozentpunkte höhere Chancen, von der Bevölkerung akzeptiert zu werden. Besonders seit 2020 ist die Präferenz für qualifizierte und berufstätige Migranten stark gestiegen – ein Trend, der vor allem von einkommensschwachen Bürgern getrieben wird, die sich durch globale Migration um Arbeitsplätze und Sozialleistungen sorgen.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Sprache: Wer die Landessprache fließend spricht, hat ebenfalls einen Vorteil von etwa zehn Prozentpunkten. Auch die Zugehörigkeit zur Mehrheitsreligion (+5 Punkte) und zur Mehrheitsbevölkerung (+3,7 Punkte) steigern die Akzeptanz. Interessanterweise werden atheistische Migranten ebenfalls positiver wahrgenommen. Dagegen sinken die Chancen für Menschen aus muslimisch geprägten Ländern um etwa 2,65 Punkte.
Die Studie zeigt außerdem, dass die politische Ideologie der Befragten die Wahrnehmung stark beeinflusst: Bürger mit konservativer Haltung legen mehr Wert auf kulturelle Ähnlichkeit, während Bürger mit progressiver Haltung humanitäre Faktoren stärker gewichten.
Begleitende Kommentare weisen auf Widersprüche hin: So werden Flüchtlinge vor Gewalt zwar bevorzugt, doch gleichzeitig stoßen Migranten mit posttraumatischen Belastungsstörungen oder körperlichen Behinderungen auf Ablehnung – obwohl diese Leiden direkte Folgen von Gewalt sind.
Der Ökonom Raúl Ramos (Universität Barcelona) betont, dass die Ergebnisse wichtige Hinweise geben, welche Faktoren die Einstellungen gegenüber Migranten prägen. Allerdings handelt es sich um deklarierte Präferenzen in experimentellen Kontexten, nicht um tatsächliches Verhalten im Alltag.
Kurz gesagt: Sprache, Qualifikation und Beschäftigung sind die stärksten Treiber für Akzeptanz – während Herkunft, Religion und politische Einstellungen der Aufnahmegesellschaft die Chancen mindern oder verstärken können.
In der Dominikanischen Republik zeigt sich ein paradoxes Schauspiel: Man macht Jagd auf haitianische Migranten, obwohl gerade sie die Arbeiten verrichten, die viele Dominikaner nur ungern übernehmen – Landwirtschaft, Bauwesen, Hilfsarbeiten. Sprachlich sind sie erstaunlich flexibel: Spanisch lernen sie schnell, und in den Touristenzonen sind viele sogar vier- oder mehrsprachig.
Ironischerweise bleiben andere Einwanderer, meist mit heller Hautfarbe, weitgehend unbehelligt – selbst wenn sie illegal im Land sind. Diese konkurrieren oft direkt mit Dominikanern um Arbeitsplätze, die durchaus von Einheimischen besetzt werden könnten. Doch hier greift das Gesetz plötzlich nicht so streng.
Noch absurder wird es für legale Residenten: Sie zahlen jährlich über 100 US‑Dollar für eine „Abschiebehaft“, die sie selbst nie betrifft. Während weniger pigmentierte Menschen ohne Aufenthaltsstatus kaum belangt werden, gilt für Haitianer eine Art Endlosschleife: Abschieben, zurückkommen, erneut zahlen. Manche Haitianer berichteten, dass man auf dem Weg der Rückführung nach Haiti „Geschmiert“ habe, andere schmieren dann bei der illegalen Wiedereinreise.
Diese Form der Deportation ist natürlich lukrativer und interessanter. Ergreift man einen „Gringo“, dann ist der per Flieger weg und bei einer Wiedereinreise wird er streng kontrolliert, da kann er keinem ein Handgeld geben.
Das Ergebnis ist eine bittere Ironie: Das Gesetz gilt offiziell für alle, praktisch aber nicht für jeden. Wer dunklere Haut hat, wird zum bevorzugten Ziel, während andere fast unsichtbar bleiben. So entsteht eine Ordnung, die eher einer Farce gleicht – eine „Rechtsstaatlichkeit“, die sich nach Hautfarbe und Status richtet, nicht nach Recht und Gesetz.