
Santo Domingo.- Hunderte Bürger haben am Sonntagvormittag im Parque Independencia in Santo Domingo an einer friedlichen Demonstration gegen die zunehmende Lärmbelastung teilgenommen. Die Aktion, organisiert vom Kollektiv Vecinos Contra el Ruido, dauerte von 9 bis 12 Uhr und zielte darauf ab, die Auswirkungen von übermäßigem Lärm auf Gesundheit, Ruhe und das soziale Zusammenleben sichtbar zu machen.
Die Sprecherin des Kollektivs, Rosemery Bonifacio, forderte eine unabhängige juristische Instanz zur Bekämpfung der akustischen Umweltverschmutzung. „Die derzeitige Struktur der Umweltstaatsanwaltschaft reicht nicht aus. Wir brauchen eine eigene Zuständigkeit für Lärm, mit Richtern und Staatsanwälten, die rund um die Uhr handeln“, erklärte sie.
Teilnehmer berichteten, dass die Belastung besonders Familien im Distrito Nacional und in Santo Domingo Este treffe. Regidor Jorge Félix Pacheco verwies auf die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die tagsüber 55 Dezibel und nachts 40 Dezibel als Obergrenze festlegt. „Hier liegen wir konstant über 75 Dezibel – zu jeder Tageszeit“, sagte er.
Auch Regidor Wilkin Martínez betonte, dass vor allem Kinder und ältere Menschen unter der Situation leiden. Vertreter kirchlicher und sozialer Organisationen riefen die Bürgermeister von Santo Domingo und Santo Domingo Este auf, sich der Initiative anzuschließen.
🖋️ Kommentar:
Die Forderungen der Bürger sind klar: weniger Lärm, mehr Schutz. Doch während die WHO Grenzwerte vorgibt, bleibt die Realität in der Hauptstadt weit darüber. Solange Bars, Colmados und überdimensionierte Lautsprecher das Stadtbild bestimmen, wirkt der Ruf nach „friedlicher Koexistenz“ fast wie ein frommer Wunsch – und die Behörden scheinen den Dezibel‑Rekord eher zu verwalten als zu senken.
Lärmbelästigungen will man ja entgegenwirken. Es existiert bereits ein Umweltgesetz, welches natürlich landesweit gilt: Ab 21 Uhr darf der Lärm nicht 60 dB übersteigen. Doch wie lebt der Dominikaner: Am Gesetz vorbei und das „Costumbre“ wird weiter gelebt, denn Kontrollen finden nicht statt.
Ein weiteres Problem ist der Lärmpegel der von Privathäusern ausgeht. Während Colmados, Bars und Discotheken als öffentlicher Raum gelten, somit die Polizei auch Zugang hat und entsprechende Ausrüstungen wie Lautsprecher z.B, beschlagnahmen kann, ist der Zugang zu privaten Bereichen der Polizei untersagt. Hier müsste dann ein Staatsanwalt eine entsprechende Genehmigung erteilen und selbst zugegen sein.
So ist dann nicht nur der Geräuschpegel in Städten hoch, sondern auch auf demLand, in den Wäldern. Hier werden gern Villen über das Wochenende angemietet und dann werden dort Feste gefeiert. (DomRepTotal)