
Port-au-Prince,- Die Policía Nacional de Haití (PNH) hat den Einsatz von gepanzerten Fahrzeugen und Spezialeinheiten angekündigt, um gegen die anhaltenden Kämpfe zwischen kriminellen Banden vorzugehen. Laut einer Mitteilung sollen die Kräfte insbesondere in der südwestlichen Plaine du Cul de Sac, nahe der Grenze zur Dominikanischen Republik, aktiv werden.
Seit dem 10. Mai versetzen die Gefechte die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Spezialeinheiten der Polizei haben in den letzten Stunden Positionen in Cazeau, Carrefour Drouillard, Terre Noire und weiteren Brennpunkten bezogen. Ziel sei es, die Präsenz der Sicherheitskräfte zu verstärken, Bewegungen der Banden einzuschränken und die Region zu stabilisieren.
Die Behörden betonen, dass es darum gehe, vertriebene Familien sicher in ihre Häuser zurückzuführen und eine Rückkehr zur Normalität zu ermöglichen. Doch die Realität zeigt ein anderes Bild: Tausende Menschen – darunter Frauen, Kinder und ältere Personen – fliehen massenhaft, viele schlafen im Freien oder suchen Zuflucht in angrenzenden Stadtteilen wie Carrefour oder Campo de Marte.
Die Gewalt hat auch das Gesundheitssystem schwer getroffen. Ärzte ohne Grenzen evakuierte ihr Krankenhaus in Drouillard und stellte die medizinische Versorgung ein, nachdem es zunehmend als Zufluchtsort für Verletzte und Anwohner diente. Auch das Hospital Fontaine musste geräumt werden. Innerhalb von 24 Stunden schlossen zwei wichtige Kliniken in Cité Soleil, wodurch Tausende Menschen ohne medizinische Betreuung blieben.
Besonders dramatisch: Patienten mussten ihre Betten verlassen, darunter frisch Operierte und Frauen in den Wehen. Ein Neugeborenes benötigte sofortige Wiederbelebung, nachdem die Ärzte bereits im Begriff waren, das Krankenhaus zu verlassen.
Mindestens 15 Schussverletzte wurden in andere Einrichtungen verlegt, doch der Zugang zu medizinischer Versorgung bleibt extrem eingeschränkt.
👉 Einmal mehr zahlt die Zivilbevölkerung den Preis für territoriale Machtkämpfe der Banden, die die ohnehin prekäre humanitäre Lage Haitis weiter verschärfen. (Latin Press / DRT)