
Puerto Príncipe. – Mehr als 150 haitianische Staatsbürger wurden am Donnerstag aus den Vereinigten Staaten nach Haiti abgeschoben. Es handelt sich um den ersten Flug nach dem Auslaufen des „Temporary Protected Status“ (TPS), der bislang über 300.000 Haitianern einen legalen Aufenthalt in den USA ermöglicht hatte.
Ankunft in Cabo Haitiano
Die Gruppe landete mit einem Charterflug des US‑Einwanderungs- und Zollkontrolldienstes (ICE) in Cabo Haitiano, der zweitgrößten Stadt des Landes. Der internationale Flughafen Toussaint Louverture in Port‑au‑Prince bleibt weiterhin geschlossen, da bewaffnete Banden große Teile der Hauptstadt kontrollieren.
Ende des Schutzstatus für 300.000 Haitianer
Das US‑Heimatschutzministerium (DHS) hatte Ende Juli das TPS für haitianische Bürger offiziell beendet. Grundlage war ein Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA, das die Politik der Regierung von Präsident Donald Trump bestätigte. Die Entscheidung erfolgte trotz der anhaltenden Gewalt durch Banden, mit der Begründung, die Bedingungen in Haiti hätten sich ausreichend verbessert, um eine sichere Rückkehr zu ermöglichen.
Tiefe Krise in Haiti
Haiti befindet sich in einer schweren politischen und sozialen Krise. Laut den Vereinten Nationen wurden allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 2.310 Menschen getötet und 1.106 verletzt. Rund 90 % der Hauptstadtregion stehen unter Kontrolle bewaffneter Gruppen. Zudem wurden im ersten Halbjahr über 5.500 sexuelle Übergriffe im Zusammenhang mit der Gewalt registriert.
Das Land gilt als ärmstes in Amerika und leidet seit Jahren unter extremer Unsicherheit, Hunger und wirtschaftlicher Instabilität.
Anmerkung der Redaktion DomRepTotal:
Für 2024 verifizierte das UN-Menschenrechtsbüro OHCHR mindestens 5.601 Getötete, zusätzlich zu 2.212 Verletzten und 1.494 Entführten.
Für 2025 meldete BINUH insgesamt mehr als 5.915 Tote und 2.708 Verletzte. Die Zahl umfasst nicht nur unmittelbare Tötungen durch Banden, sondern auch Opfer bei Einsätzen der Sicherheitskräfte gegen Banden und Gewalttaten von Selbstverteidigungsgruppen.
Erstes Halbjahr 2026
Für Januar bis März 2026 meldete BINUH mindestens 1.642 Tote und 745 Verletzte. Rund 69 Prozent der Todesopfer fielen nach dieser UN-Erfassung bei Operationen der Sicherheitskräfte gegen Banden an; die Gesamtzahl bezieht sich also auf den gesamten Gewaltkomplex, nicht nur auf direkte Bandentötungen.
Als Mindestwert kann man festhalten:
Mindestens 1.642 Menschen wurden im ersten Quartal 2026 getötet. Die Zahl für das gesamte erste Halbjahr lag zwangsläufig höher, ist aber in den bislang auffindbaren offiziellen UN-Veröffentlichungen noch nicht abschließend beziffert.
Die UN weist zudem darauf hin, dass die tatsächliche Zahl höher liegen kann, weil in vielen von Banden kontrollierten Gebieten Tötungen nicht vollständig dokumentiert werden können.