
SANTO DOMINGO. Die touristische Nachfrage nach der Südregion der Dominikanischen Republik wächst kontinuierlich. Angesichts steigender Besucherzahlen, insbesondere aus den USA, fordert das Tourismusministerium (MITUR) einen raschen Ausbau moderner Zahlungsmöglichkeiten, um das wirtschaftliche Potenzial der Region besser auszuschöpfen.
Nach Angaben von MITUR verbringen US-amerikanische Besucher bis zu fünf Tage in der südlichen Küstenregion und geben dabei durchschnittlich bis zu 173 US-Dollar pro Tag aus. Viele Reisende seien bereit, bis zu 35 Prozent ihres geplanten Reisebudgets vor Ort auszugeben.
71 Prozent der Besucher zahlen überwiegend mit Bargeld
Ein zentrales Problem bleibt jedoch die unzureichende Zahlungsinfrastruktur. Laut einer gemeinsam mit Visa durchgeführten Analyse nutzen 71 Prozent der Besucher hauptsächlich Bargeld, da in vielen Orten nur wenige Geldautomaten und Kartenterminals verfügbar sind.
Die technische Vizeministerin für Tourismus, Jacqueline Mora, betonte, dass Banken und Finanzdienstleister dringend stärker auf kleine und mittlere Unternehmen, Geschäfte sowie touristische Anbieter im Süden zugehen müssten. Ziel sei nicht nur die Einführung von Kartenzahlungen, sondern auch die Förderung von Finanzierungsmöglichkeiten, professionellen Geschäftsstrukturen und einer insgesamt höheren Servicequalität.
Finanzsektor soll Entwicklung beschleunigen
Nach Ansicht des Tourismusministeriums spielt der Finanzsektor eine Schlüsselrolle bei der Formalisierung lokaler Unternehmen. Eine bessere Integration in das Bankensystem würde nicht nur moderne Zahlungswege ermöglichen, sondern auch Investitionen und wirtschaftliches Wachstum fördern.
Mora verwies darauf, dass der Süden der Dominikanischen Republik rund vier Jahrzehnte lang kaum groß angelegte touristische Entwicklungen erlebt habe. Dies ändere sich nun durch die milliardenschweren Investitionen rund um das Tourismusprojekt Pedernales, das sowohl Kreuzfahrttourismus als auch private Investitionen in Hotellerie, Gastronomie und Dienstleistungen anziehen soll.
Visa setzt auf Mobiltelefone statt Kartenterminals
Für Jorge Lemus, Senior Vice President und General Manager von Visa für die Karibik und Zentralamerika, sind digitale Zahlungslösungen über Smartphones der effizienteste Weg zur finanziellen Inklusion. Der Aufbau eines flächendeckenden Bankfilialnetzes sei deutlich kostenintensiver als mobile Bezahlsysteme.
Nach Angaben von Visa verfügen moderne Android- und Apple-Geräte in der Dominikanischen Republik bereits über die erforderliche Technologie, um sowohl Zahlungen durchzuführen als auch Zahlungen zu empfangen. Gemeinsam mit Banken und Regulierungsbehörden arbeite das Unternehmen an entsprechenden Lösungen für den lokalen Markt.
US-Touristen planen Reisen langfristig
Die von MITUR präsentierten Daten zeigen außerdem, dass Besucher aus den Vereinigten Staaten ihre Reisen in den Süden der Dominikanischen Republik überwiegend langfristig planen. Rund 38,6 Prozent buchen ihren Flug im Voraus. Weitere 12,7 Prozent reservieren Hotels direkt oder über Online-Reiseportale, während 5,2 Prozent auf Ferienwohnungen oder Airbnb setzen. Pauschalreisen spielen mit lediglich 0,5 Prozent kaum eine Rolle.
Auch die Konsumgewohnheiten der Reisenden wurden untersucht. Ein relevanter Teil der Besucher gilt als besonders gastronomisch interessiert und gibt entsprechend viel Geld für kulinarische Erlebnisse aus. Ausgaben erfolgen vor allem in Geschäften, Restaurants, Supermärkten und Unterkünften.
Kommentar
Die Analyse von MITUR zeigt deutlich, dass nicht fehlende Nachfrage, sondern infrastrukturelle Defizite derzeit das Wachstumspotenzial des Südens bremsen. Während Milliarden in neue Hotels, Kreuzfahrthäfen und touristische Attraktionen investiert werden, fehlen vielerorts noch grundlegende digitale Zahlungsmöglichkeiten. Gerade internationale Reisende erwarten heute kontaktlose Zahlungen, digitale Wallets und unkomplizierte Kartennutzung. Wer diese Standards nicht bietet, riskiert Umsatzverluste und verschenkt wertvolle Kaufkraft der Besucher. Der Ausbau moderner Finanzdienstleistungen könnte sich daher als ebenso wichtig erweisen wie der Bau neuer touristischer Anlagen. (DomRepTotal)