
ROM. Der dominikanische Präsident Luis Abinader hat den offiziellen Austritt der Dominikanischen Republik aus der Hungerkarte der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) als größten Erfolg seiner politischen Laufbahn bezeichnet.
Während des Welternährungsforums der FAO in Rom erklärte der Staatschef, zahlreiche Infrastrukturprojekte, Reformen und institutionelle Verbesserungen könnten zwar Teil seines politischen Vermächtnisses werden. Der bedeutendste Erfolg seiner Regierung sei jedoch die deutliche Reduzierung von Hunger und Unterernährung im Land.
„Wenn man mich fragt, welcher Erfolg mich am meisten mit Stolz erfüllt, dann lautet meine Antwort: dazu beigetragen zu haben, dass mein Land die Hungerkarte der FAO verlassen konnte“, sagte Abinader.
Historischer Meilenstein für die Dominikanische Republik
Nach Angaben des Präsidenten sank die Unterernährungsrate von 21,3 Prozent im Jahr 2006 auf weniger als 2,5 Prozent im Jahr 2025.
Vor internationalen Vertretern der FAO sprach Abinader von einem historischen Moment für die Dominikanische Republik.
„Heute stehe ich vor Ihnen mit einer Emotion, die sich nur schwer beschreiben lässt. Mein Land hat die Hungerkarte der FAO offiziell verlassen“, erklärte er.
Dabei betonte er, dass hinter den Statistiken Millionen Menschen stehen, deren Lebensbedingungen sich in den vergangenen Jahren verbessert hätten.
Kampf gegen Hunger auf zwei Ebenen
Laut Abinader basierte die Strategie seiner Regierung auf zwei zentralen Säulen: einer höheren Lebensmittelproduktion sowie einer Verbesserung der Einkommen dominikanischer Haushalte.
Zwischen 2004 und 2024 sei die Lebensmittelproduktion pro Einwohner um 122,3 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hätten sich die realen Haushaltseinkommen zwischen 2015 und 2025 um 43,7 Prozent erhöht.
Parallel dazu sei die monetäre Armutsquote von 41,1 Prozent auf 17,3 Prozent gesunken. Die extreme Armut verringerte sich nach Regierungsangaben von 8,7 Prozent auf 2,2 Prozent.
Landwirtschaft deckt Großteil des Nahrungsmittelbedarfs
Ein weiterer Erfolgsfaktor sei die starke heimische Landwirtschaft gewesen.
Heute decke die nationale Produktion mehr als 85 Prozent des Lebensmittelbedarfs des Landes. Abinader lobte insbesondere die Arbeit dominikanischer Landwirte und verwies auf staatliche Unterstützung durch Finanzierungsprogramme, moderne Technologien und gezielte Fördermaßnahmen.
Sozialprogramme erreichen Millionen Menschen
Neben der wirtschaftlichen Entwicklung hob der Präsident den Ausbau sozialer Hilfsprogramme hervor.
So stieg die Zahl der Schüler, die täglich über das staatliche Schulernährungsprogramm versorgt werden, von 1,7 Millionen im Jahr 2019 auf mehr als 2,2 Millionen im Jahr 2025.
Darüber hinaus profitieren nach Regierungsangaben über 1,4 Millionen Haushalte von den Programmen „Aliméntate“ und „Bono Gas“.
Die landesweit 163 staatlichen Großküchen geben täglich mehr als 183.000 kostenlose warme Mahlzeiten aus. Ergänzt werden diese Maßnahmen durch Produzentenmärkte und mobile Verkaufsstellen, die Lebensmittel zu erschwinglichen Preisen in die Gemeinden bringen.
Hunger bedeutet mehr als einen leeren Teller
Zum Abschluss seiner Rede erinnerte Abinader daran, dass Hunger nicht ausschließlich ein wirtschaftliches Problem sei.
„Hunger leert nicht nur einen Teller. Er kann einem Menschen auch die Chancen seines gesamten Lebens nehmen.“
Deshalb müsse die Ernährungssicherheit weiterhin eine zentrale Aufgabe staatlicher Politik bleiben.
Kommentar
Der Austritt aus der Hungerkarte der FAO ist zweifellos ein Erfolg, auf den die Dominikanische Republik stolz sein kann. Dennoch bleibt die entscheidende Frage, ob sich diese positiven Kennzahlen dauerhaft im Alltag aller Bürger widerspiegeln. Zwar sind Armut und Unterernährung deutlich zurückgegangen, gleichzeitig beklagen viele Dominikaner weiterhin steigende Lebenshaltungskosten, hohe Mieten und teure Lebensmittel. Die Herausforderung der kommenden Jahre wird daher nicht nur darin bestehen, Hunger zu verhindern, sondern den erreichten Wohlstand breiter in der Gesellschaft zu verankern. Ein leerer Teller ist seltener geworden. Nun geht es darum, auch wirtschaftliche Sicherheit und soziale Perspektiven dauerhaft zu gewährleisten.