
Santo Domingo.- Die Zahl der Schwangerschaften unter Minderjährigen bleibt in der Dominikanischen Republik eine große gesellschaftliche Herausforderung. Nach Angaben der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (OPS) bringen jährlich rund 12.000 Jugendliche im Land ein Kind zur Welt.
Trotz deutlicher Fortschritte in den vergangenen Jahren sehen Behörden und Gesundheitsexperten weiterhin erheblichen Handlungsbedarf. Nach Daten des dominikanischen Gesundheitsministeriums sank die Geburtenrate bei Mädchen und jungen Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren zwischen 2017 und 2025 um 55 Prozent.
Während 2017 noch 75 Geburten pro 1.000 Jugendliche dieser Altersgruppe registriert wurden, lag die Quote 2025 bei 34 Geburten pro 1.000 Jugendlichen. Die absolute Zahl der Geburten verringerte sich im gleichen Zeitraum von 35.461 auf 15.563, während ihr Anteil an allen Geburten von 21 Prozent auf 11,7 Prozent zurückging.
Teenagerschwangerschaften bleiben ein regionales Problem
Die Dominikanische Republik steht mit dieser Entwicklung nicht alleine da. Nach Angaben der OPS werden in Nord-, Mittel- und Südamerika jedes Jahr rund 1,6 Millionen Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren Mutter. Hinzu kommen etwa 40.000 Mädchen unter 15 Jahren, die jährlich ein Kind zur Welt bringen.
Besonders betroffen sind sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen, die oft nur eingeschränkten Zugang zu Gesundheitsdiensten, Aufklärung und Familienplanung haben.
Zweijähriges Programm soll Schwangerschaften bei Minderjährigen verhindern
Vor diesem Hintergrund wird die Dominikanische Republik gemeinsam mit Guatemala an einem neuen, auf zwei Jahre angelegten Programm der OPS und MSD for Mothers teilnehmen. Ziel der Initiative ist es, ungeplante Schwangerschaften bei Jugendlichen zu verhindern und die Versorgung von Müttern und Neugeborenen zu verbessern.
Das dominikanische Gesundheitsministerium teilte mit, dass sich das Projekt vor allem auf Regionen konzentrieren wird, in denen Jugendliche und Frauen mit besonderen Hürden beim Zugang zu qualitativ hochwertigen Gesundheitsleistungen konfrontiert sind.
Die entsprechende Vereinbarung wurde von Gesundheitsminister Víctor Atallah im Rahmen der 63. Sitzung des Direktivrats der OPS unterzeichnet.
Fokus auf Familienplanung und bessere Gesundheitsversorgung
Das Programm sieht mehrere konkrete Maßnahmen vor. Dazu gehören die Stärkung der Familienplanung nach der Geburt, die Verbesserung der vorgeburtlichen Betreuung sowie die gezielte Schulung von medizinischem Fachpersonal im Umgang mit Jugendlichen und jungen Frauen.
Nach Angaben von Víctor Atallah soll die Initiative bestehende nationale Maßnahmen zur Verbesserung der Müttergesundheit und der gesundheitlichen Versorgung von Jugendlichen ergänzen und ausbauen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Bevölkerungsgruppen mit eingeschränktem Zugang zum Gesundheitssystem.
Darüber hinaus soll die Ausbildung von Ärzten, Pflegekräften und Gesundheitshelfern dazu beitragen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, die von der Mutter auf das Kind übertragen werden können. Dazu zählen unter anderem HIV, Syphilis, Hepatitis Bsowie die Chagas-Krankheit.
Bis zu 15.000 junge Menschen sollen profitieren
Nach Schätzungen der Organisatoren werden in der Dominikanischen Republik und Guatemala insgesamt zwischen 10.000 und 15.000 Jugendliche und junge Erwachsene direkt von dem Programm profitieren.
Obwohl die Dominikanische Republik in den vergangenen Jahren bedeutende Fortschritte bei der Senkung der Teenagerschwangerschaften erzielt hat, zeigen die aktuellen Zahlen, dass das Thema weiterhin zu den wichtigsten gesundheitlichen und sozialen Herausforderungen des Landes zählt. Experten sehen insbesondere in Aufklärung, Familienplanung und einem besseren Zugang zu Gesundheitsdiensten die entscheidenden Hebel, um die Zahl der Schwangerschaften unter Minderjährigen weiter zu reduzieren. (DomRepTotal)