
Higüey. – Die anhaltende Dürre im Osten der Dominikanischen Republik hat den Fluss Sanate nahezu zum Verschwinden gebracht. Nach Angaben von Lenin Carpio, Regionaldirektor des Instituts für Trinkwasser und Abwasser (INAPA), ist der Wasserfluss um mehr als 85 % eingebrochen – von ehemals rund 280 Litern pro Sekunde auf nur noch 35 bis 39 Liter.
Diese drastische Reduktion hat Versorgungsverzögerungen von bis zu 15 Tagen in Higüey ausgelöst. Der Fluss, einst Hauptquelle des örtlichen Aquädukts, ist inzwischen so ausgetrocknet, dass bereits der Betrieb einer einzigen Pumpe das gesamte verbliebene Wasser absaugt, wodurch der natürliche Lauf des Flusses unterbrochen wird.
„Wenn wir nur einen Motor einschalten, hört der Fluss praktisch auf zu fließen“, erklärte Carpio – ein Satz, der die ganze Tragweite des Problems offenlegt.
Strukturelles Versagen statt Naturphänomen
Die Krise ist nicht allein der Dürre zuzuschreiben. Sie offenbart jahrelange Versäumnisse in der Wasserpolitik:
- Fehlende Investitionen in alternative Quellen und Speicher.
- Mangelnde Wartung der Pumpstationen.
- Ständige Stromausfälle und Spannungsschwankungen, die den Betrieb der Anlagen lahmlegen.
- Unzureichende Koordination zwischen Umweltministerium und INAPA.
Während die Behörden auf „Protokolle“ verweisen, die zeitweise das Pumpen stoppen sollen, um den Flusslauf zu schützen, bleibt die Realität: Die Bevölkerung wartet tagelang auf Trinkwasser, während die Infrastruktur zerfällt.
Regionale Ausweitung der Krise
Auch die Provinzen El Seibo, Miches und Hato Mayor sind betroffen. Dort müssen Kanäle umgeleitet werden, um wenigstens minimale Versorgung sicherzustellen. Die Stromprobleme verschärfen die Lage zusätzlich – in manchen Gebieten fallen die Pumpen tagelang aus.
Appell an die Bevölkerung – und an die Politik
Carpio ruft die Menschen auf, Wasser zu sparen und nur für das Nötigste zu verwenden. Doch dieser Appell wirkt hilflos, solange keine nachhaltige Strategie existiert. Die Regierung reagiert mit kurzfristigen Maßnahmen, statt endlich eine nationale Wasserpolitik mit klaren Verantwortlichkeiten und Investitionsplänen umzusetzen.
Die Dürre ist nicht neu – neu ist nur, dass sie jetzt sichtbar macht, wie schlecht das Land vorbereitet ist.d
Fazit:
Der Fluss Sanate ist zum Symbol einer hausgemachten Wasserkrise geworden. Nicht die Natur allein, sondern jahrelange politische Untätigkeit und technische Vernachlässigung haben Higüey an den Rand des Wassernotstands gebracht. Ohne entschlossene Reformen droht die Region, buchstäblich auf dem Trockenen zu sitzen.
RECHERCHE ZUR landesweiten WASSERSITUATION
Schätzungen von Umweltverbänden & Studien: In den letzten drei bis vier Jahrzehnten sind landesweit rund 600 bis 700 Flüsse, Bäche (arroyos), Lagunen und kleine Flussläufe (cañadas) komplett versiegt oder haben ihren permanenten Wasserfluss verloren.
Prozentualer Rückgang: Medienberichte und Umweltanalysen sprechen davon, dass in den vergangenen 40 Jahren regional bis zu 90 % der kleineren Fließgewässer und Bäche von starker Austrocknung oder partiellem/vollständigem Verschwinden betroffen waren.
Die Hauptursachen für das Aussterben der Gewässer
1. Deforestation & Brandrodung (Conuquismo): Die Abholzung in den Gebirgszügen (z. B. Cordillera Central, Sierra de Bahoruco) zur Brikett-/Holzkohlegewinnung und für die unregulierte Landwirtschaft zerstört die Wassereinzugsgebiete, wodurch Regenwasser nicht mehr im Boden gespeichert wird.
2. Ungeregelte Entnahme von Baumaterialien: Der Abbau von Sand und Kies direkt aus den Flussbetten zerstört die natürlichen Grundwasserleiter.
3. Klimawandel & Dürreperioden: Längere, intensivere Trockenzeiten verringern die Quellwassermengen massiv.
4. Verschmutzung & Verbauung: Ungeregelte Siedlungen an den Ufern sowie das Einleiten von Abwässern verstopfen und verschmutzen kleinere Bäche bis zum Versiegen (DomRepTotal)